Frank Zalewski Keine Kommentare

Energetische Ausgangsbasis

Energetischen Ausgangsbasis – Die Grunddatenerhebung

Die Energetische Ausgangsbasis beinhaltet im Wesentlichen Energieverbrauchsdaten und dient als Basis für einen Vergleich der energiebezogene Leistung und damit auch für die Beurteilung der Entwicklung der Energieeffizienz. Sie bezieht sich normalerweise auf einen festgelegten Zeitraum, am häufigsten auf ein Jahr. Damit diese Verbrauchslinie mit anderen Jahren verglichen werden kann, soll diese Basis durch „relevante Variablen“ (Einflussfaktoren auf den Energieeinsatz und –verbrauch) normiert werden. Dann spricht man auch von „Anpassungsfaktoren“. Die energetische Ausgangsbasis ist insbesondere bei Änderung der Energieleistungskennzahlen, bei wesentlichen Prozess-und/oder Energiesystemveränderungen nach einer vorher festgelegten Methode anzupassen.

Begleitend zur Projektplanung ist zunächst eine genaue Abgrenzung des Untersuchungs- bzw. späteren Gültigkeitsbereichs des EnMS erforderlich. Diese Abgrenzung der Bilanzgrenzen, den sogenannten Bilanzrahmen entscheidet wesentlich über den Umfang und die Komplexität des EnMS. Das Festlegen der Bilanzgrenzen ist die erste Aufgabe des Energiemanagers bzw. des Energieteams. Sie stehen bei der Planung ganz am Anfang auf dem Weg zu einer erfolgreichen Energieleistungskennzahl (EnPI).
Die Bilanzgrenzen sollten es ermöglichen, den Energieeinsatz zu 100% der Summe der Energieverbraucher zuzuordnen.

Das betrifft die Energiebestandteile (Strom, Gas, Wärme, etc.) und die in Summe eingesetzte Gesamtenergie (in kWh). Die ISO 50001 – Anforderungen an ein Energiemanagementsystem bietet den Organisationen die Möglichkeit, den Anwendungsbereich und somit den Gültigkeitsbereich des Systems selbst festzulegen. Das stellt eine gewisse Herausforderung dar, ist aber unbedingt für die Entwicklung des Energieplanungsprozesses erforderlich. Begleitend zur Projektplanung ist zunächst eine genaue Abgrenzung des späteren Anwendungsbereichs erforderlich. Dieser Bilanzrahmen entscheidet wesentlich über den Umfang und die Komplexität des Energiemanagementsystems.

Anmerkung: Die ISO 50001 spricht neben den (Bilanz-) Grenzen des EnMS von dessen Geltungsbereich. Bilanzgrenzen sind standortbezogen zu verstehen und betreffen Einrichtungen und Energieströme. Der Geltungsbereich eines EnMS kann sich auf eine Zentrale mit mehreren Standorten erstrecken, mit jeweils eigenen Bilanzgrenzen und einer Gesamtbilanz für das Unternehmen (z.B. inklusive Transporte zwischen Standorten). Den Geltungsbereich auf Unternehmensteile oder einzelne Aktivitäten zu beschränken, wie es bei anderen Managementsystemen möglich ist, kommt beim EnMS kaum in Betracht, da sich die Energieströme selten sinnvoll abgrenzen lassen.

Ebenfalls einzubeziehen sind:

  1. von außerhalb des Bilanzrahmens bezogene, bereits veredelte Energien wie Strom, Fernwärme etc.
  2. innerhalb der Bilanzgrenze selbst veredelte Energie wie Strom, Dampf, Wärme, Kühlwasser oder Druckluft

Betrachtet werden muss zudem die Abgabe von Energie über die Bilanzgrenze nach außen.

Die Energetische Ausgangsbasis ist die zukünftige Grundlage für die Planung und die Zielsetzung des Unternehmens und Referenzpunkt für künftige Vergleiche der energiebezogenen Leistung. Die energetische Ausgangsbasis bezieht sich immer auf einen festen Zeitraum. Der Zeitraum kann sich z.B. auf ein Jahr beziehen, das ggf. noch in Monate unterteilt wird (Um z.B. relevante Variablen wie Klima, Betriebsweise etc. identifizieren zu können). Energieinput und Energieverbräuche sollten detailliert und möglichst für mehrere Jahre erfasst werden, um Einmaleffekte zu eliminieren. In der Regel nimmt man die energetische Ausgangsbasis aus dem Vorjahr, da aus diesem Zeitraum alle Daten/Kennzahlen vorliegen sollten. Daneben ist ein Vergleich der aktuellen Tätigkeiten und Verfahrensweisen mit allen energieeinsatz- und verbrauchsrelevanten gesetzlichen Anforderungen durchzuführen. Die Auswertung der energetischen Ausgangsbasis erfolgt im sogenannten Energiebericht.

Die energetische Ausgangsbasis sollte die Erfassung/Ermittlung folgender Punkte beinhalten:
  • Einsatz der Energieträger (meist Strom, Gas, Öl etc,)
  • Energieverbraucher
  • Energieflüsse im Unternehmen
  • vorhandene Organisationsstrukturen
  • Unternehmensprozesse
  • wirtschaftliche Rahmenbedingungen
  • rechtliche Rahmenbedingungen
  • Schwachstellen (Ermittlung wesentlicher Einflussfaktoren)
Die energetische Ausgangsbasis sollte das Ableiten folgender Punkte beinhalten:
  • Optimierungsmaßnahmen inklusive Prioritäten
  • Energiekennzahlen

Diese Punkte finden sich auch im späteren Energiebericht wieder. Generelles Ziel der energetischen Bewertung ist es, die Bereiche des Unternehmens zu identifizieren, die den wesentlichen Energieverbrauch vorzuweisen haben. Die Energieanalyse ist der bedeutendste Teil in diesem Schritt. Energieinput und Energieverbräuche müssen detailliert und für mehrere Jahre erfasst werden, um mögliche “Ausreisser” zu eliminieren. Weiterhin sind die aktuell durchgeführten Arbeitsweisen mit den energieeinsatz- und verbrauchsrelevanten gesetzlichen Anforderungen abzugleichen. Die Ergebnisse werden in einem Energiebericht zusammengefasst.

Der Energiebericht

Im Energiebericht werden die Ergebnisse der Energiedatenanalyse zusammengefasst und dokumentiert. In fortlaufenden Energieberichten zeigt sich die Entwicklung des Energiemanagementsystems in einem Unternehmen. Außerdem kann der Energiebericht dazu genutzt werden, um Mitarbeiter regelmäßig über den Stand des Energiemanagementsystems im Unternehmen zu informieren.

Der erste Energiebericht setzt sich wie folgt zusammen:

  • Erhebung der Grundlagedaten
  • Analyse der Organisations- und Kommunikationsstruktur
  • Ermittlung der rechtlichen Anforderungen
  • Bewertung des Energieverbrauchs auf mögliche Verbesserungspotentiale
  • Erfassung von Einflussparametern den sogenannten Variablen (Abstufungen können durchgeführt werden in z.B. unrelevant, relevant und erheblich relevant)

Analyse der Organisations- und Kommunikationsstruktur

In fast allen Organisationen existiert ein verantwortlicher Personenkreis zum Thema Energie. In der Buchhaltung oder im Controlling werden z.B. die Energierechnungen regelmäßig mit den eigenen Zählerablesungen verglichen. Im Einkauf werden in Zusammenarbeit mit der Abteilung Instandhaltung die Anlagenteile (Motoren etc.) z.B. nach der Energieeffizienz ausgewählt. Deshalb müssen alle bestehenden organisatorischen Regelungen und Verfahren erfasst werden. Nur durch eine systematische Erfassung ist eine vorteilhafte Nutzung im späteren Energiemanagement sinnvoll. Oft werden Defizite in der Kommunikation durch die Erfassung identifizierbar. Die systematische Organisations- und Kommunikationsbetrachtung hilft deshalb auch, Ziele und Maßnahmen für eine verbesserte Organisation abzuleiten.

Ermittlung der rechtlichen Anforderungen

Bestandteil jedes guten Managementsystems ist das Sicherstellen der sogenannten „Compliance“ – der Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Dafür ist eine Sammlung aller einschlägigen Gesetze, kommunaler Regelungen und der Selbstverpflichtungen erforderlich, die das Unternehmen eingegangen ist. Das Rechtskataster ist im Rahmen der Grundlagenerhebung zu erstellen. Die Einhaltung aller rechtlichen Vorschriften dürfte zu den Grundzielen jedes Unternehmens gehören. Dies gilt auch für Unternehmen ohne einem entsprechendem Managementsystem.

Rechtliche Vorschriften, bereits themenbezogen geordnet und stets aktuell, sind über entsprechende Internetanbieter zu erhalten (Beispiel http://www.umwelt-online.de).

Bewertung des Energieverbrauchs auf mögliche Verbesserungspotentiale

Bereits bei der Erhebung der Grundlagen zum aktuellen Energiestatus fallen Verbesserungspotenziale auf. Diese sollten unbedingt dokumentiert, priorisiert und eine Liste möglicher Energieeinsparungen und Verbesserungen erstellt werden. Zur Festlegung der Prioritäten ist eine Bewertung der wesentlichen Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch durchzuführen. Zu jeder möglichen Effizienzmaßnahme auf dieser Liste sollten Einsparziel, mögliche Maßnahmen, anfallende Kosten, Zeitbedarf und möglicher Projektleiter (ggf. Energieteam) angegeben werden. Aus den Potenzialen dieser Liste können erste Energieeinsparziele festgelegt werden, resultierend daraus der Aktionsplan.

Aktionsplan

Nach einer umfassenden Bewertung kann ein Aktionsplan auf Grundlage der energetischen Bewertung erarbeitet werden. Der Aktionsplan fasst alle Ziele für die Energieeinsparung zusammen. Dabei sind die Ziele so detailliert wie möglich zu beschreiben. Es werden Maßnahmen beschlossen und terminiert, sowie eine Bewertung der Erfolge nach Umsetzung der Maßnahmen. Dabei ist immer zu beachten, dass die Ziele messbar sind. Nicht messbare Ziele sind für das Unternehmen irrelevant.

Erfassung von Einflussparametern den sogenannten Variablen

Ein wesentlicher Einflussparameter auf die Energiebilanz kann sowohl ein großer Verbraucher als auch einen auf den Verbrauch auswirkenden Umstand wie:

  • Klimabedingungen,
  • Wartungsintervalle,
  • Pausen-, Schicht- und Betriebstillstandsregelungen,
  • Auslastung der Maschinen und Anlagen,
  • Energiepreise etc.

Die systematische Bewertung dieser sogenannten Energieeinflussfaktoren ist ein wesentliches Hilfsmittel des EnMS um Anlagen und Umstände, die den Energieverbrauch am stärksten beeinflussen, zu lokalisieren. Dazu zählen, neben den größten Verbrauchern, die mit dem kontinuierlichsten bzw. dem meist schwankenden Verbrauch und solche, bei denen Änderungen mit wenig Aufwand durchführbar sind.


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