Datensammlung Energiemanagement
Die Bestandsaufnahme

Die Datensammlung zum Energiemanagement

Bevor die Datensammlung Energiemanagement erhoben werden kann, ist eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Bei der Bestandsaufnahme werden folgende Schritte durchlaufen:

  1. Festlegung von Ziel und Zweck
  2. Messung der Energieströme und Datensammlung
  3. Datenaufbereitung
  4. Bildung von Energiekennzahlen
  5. Erstellung einer Input – Output Analyse
  6. Auswertung

Festlegung von Ziel und Zweck

Ziel ist es, die Art und Menge der im Unternehmen verwendeten Energie zu ermitteln. Hierzu werden folgende Bereiche untersucht:

  • Energieintensive Bereiche. Es werden die höchsten Energieverbraucher ermittelt. Hier findet meist die 80/20 Regel Geltung – für 80% des Energieverbrauchs sind zumeist 20% der Maschinen und Anlagen verantwortlich.
  • Struktur des Energieverbauchs. Hier müssen die Energieverbräuche zwischen Produktionsrelevant und Produktionsunrelevant (z.B. Kantine, Sanitäreinrichtungen, Büroküchen etc.) ermittelt werden. Auch die Variablen sind hier zu ermitteln. Bei den Variablen sind Zusammenhänge und Abhängigkeiten näher zu betrachten. Dies passiert meist über einen längeren Zeitraum (Aufgrund Temperaturschwankungen, Betriebsstillstände etc.).
  • Wartung der Systeme. Durch eine kontinuierliche Wartung können Laufzeiten und Störanfälligkeiten optimiert werden.

Neben den technischen Zielsetzungen sollte das Unternehmen auch die möglichen menschlichen Einflussfaktoren betrachten und eine Analyse in Erwägung ziehen. Mangelndes Interesse oder schlechte Kommunikation können den Energiehaushalt negativ beeinflussen. Entgegenwirken kann man durch gezielte Schulungen und Qualifikationen und ein ausgereiftes Kommunikations- und Informationsmanagement sowie Motivation.

Das Ziel der ersten Bestandsaufnahme kann ebenfalls die Analyse der Bereiche sein, in denen energieeffiziente Geräte wie z.B. IT zum Einsatz kommen. Diese können ggf. mit Geräten ausgetauscht werden, die ein effizienteres europäisches Energielabel aufweisen. Die höheren Kosten dieser Geräte haben sich durch die geringeren Betriebskosten schnell amortisiert. Das gleiche gilt für Lichtquellen oder Haushaltsgeräte in Kantinen und Büroküchen.

Messung der Energieströme und Datensammlung

Die Datenerhebung ist die Grundlage der Analyse. Bevor die Datensammlung, Messung und Analyse beginnen, sollten die Energiearten und Energielieferanten bekannt und vorhandene Dokumentationen aktuell sein. Datenlücken können durch weiter Messungen gefüllt werden. Sind Messungen nicht möglich, können auch Schätzungen durchgeführt werden. Es ist wichtig festzulegen, welche Daten überhaupt gesammelt und aufgezeichnet werden müssen. Beispiele für relevante Daten sind:

  • Energierechnungen (Leistung, Tarif, Preise, Kosten…)
  • Energietransport und Energieumwandlung
  • Personalkosten
  • Wartung etc.

Infrastruktur und Infrastrukturanlagen

Infrastrukturanlagen (Heizung, Druckluft, Dampfkessel etc.) stellen die benötigte Energie zur Verfügung um z.B. Produktionsanlagen überhaupt betreiben zu können.

Zur Datensammlung Energiemanagement (Infrastrukturanlagen) benötigt man:

  • Name der Anlage
  • Hersteller/Typ/Baujahr
  • Leistung
  • Energieträger
  • Effizienz (falls vorhanden)
  • Betriebsbedingungen (wichtig für die Variablen)
  • Wartung (Intervalle und ggf. Wartungspartner)
  • Wichtig: der technische Zustand

Zur Dokumentation eignet sich z.B. diese Excel-Tabelle (Link folgt)

Zur Datensammlung Energiemanagement (Verbraucher) benötigt man:

  • Bezeichnung und Typ
  • Hersteller und Baujahr
  • Produktionskapazität
  • Leistungsbedarf max.
  • Energieverbrauch
  • Betriebsweise und Betriebszeiten
  • Steuer- und Regelungsmöglichkeiten
  • Auch hier Wichtig: der technische Zustand

Die Einführung

  • Beschluss zur Einführung des Energiemanagements (Vorlage Beschluss)
  • Bestellung eines Energiemanagers (Vorlage Bestellurkunde)
  • Einberufung eines betrieblichen Energieteams
  • Erstellen des Projektplans
  • Festlegung der Bilanzgrenzen
  • erster Energie-, Mess- und Bewertungsplan (IST-Analyse)
  • Analyse und Bewertung der Energieeinflussfaktoren
  • “Festlegung der strategischen Ziele des Energiemanagements”
  • Festlegung der Strukturen, Klärung der Verantwortlichkeiten und Kommunikationsstruktur
  • Review der Ergebnisse

Der formale Aufbau

  • Ausarbeitung und Verabschiedung der Energiepolitik
  • Festlegung der Verantwortlichkeiten und der Kommunikationsstruktur
  • Dokumentation des EnMS und Ablauflenung
  • Erfassung und Gestaltung energierelevanter Prozesse und Verbraucher
  • Information und Schulung der Mitarbeiter
  • Einführung eines Verbesserungsvorschlagswesen
  • Entwicklung erster Kennzahlen und Energieindikatoren
  • Inkraftsetzung des Energiemanagementsystems
  • Beschluss zur Einführung des Energiemanagements.

Die zentralen Herausforderungen für ein funktionierendes Energiemanagementsystem bestehen dabei besonders darin, die energetischen Zusammenhänge eines Unternehmens abzubilden, wesentliche Informationen bereitzustellen und richtig zu interpretieren, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wie bereits erwähnt, muss die oberste Leitung der Organisation ein klares Bekenntnis zur Erfassung der aktuellen Situation abgeben und die Bereitstellung der Mittel (Ressourcen) veranlassen.

Der Projektplan

Die Verfolgung der nächsten Schritte wird mit der Aufstellung eines einfachen Projektplans wesentlich erleichtert. Der Projektplan hilft, Aktivitäten und Ressourcen zu planen und zu koordinieren. Aus ihm lässt sich auch der Zeitrahmen ableiten, der zur Einführung eines EnMS benötigt wird oder zur Verfügung gestellt werden sollte. Eine Projektplanung führt erfahrungsgemäß zu einer stärkeren Konzentration auf die zu erreichenden Ziele und gewährleistet durch Setzen von Terminen eine bessere Planbarkeit.

Inhalt eines Projektplans

Die Inhalte eines Projektplans können je nach Unternehmensgröße variieren. Beispiele für die Inhalte eines Projektplans wären:

  • Beschluss der obersten Leitung
  • Projektplanung
  • Festsetzen der Bilanzgrenzen
  • Bewertung der wesentlichen Energieeinflußfaktoren
  • Festlegung der Energiepolitik und Energieziele
  • Kommunikation, Bereitstellung von Ressourcen
  • Dokumentation des EnMS
  • Ausgestaltung energierelevanter Abläufe
  • Schulung der Mitarbeiter
  • Erfassung und Bearbeitung von Verbesserungsmaßnahmen
  • Planung Energieeinsatz und Definition/Ermittlung von Kennzahlen
  • Internes Energieaudit
  • Managementreview

Ähnlich dem Umwelt- oder Qualitätsmanagement ist auch das EnMS systematisch im PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) aufzubauen. Durch einen sich dynamisch wiederholenden Regelkreis, soll die energiebezogene Leistung eines Unternehmens kontinuierlich verbessert werden. Innerhalb dieses systematischen Vorgehens werden Prozesse und Verfahren regelmäßig überprüft, Verbesserungspotenziale identifiziert und mögliche Energieeffizienzmaßnahmen geplant und umgesetzt.